»Der Gott des Gemetzels«: Glanzstück bitterböser Komik
Espelkamp. »Kinder, streitet euch nicht, nehmt euch lieber ein gutes Beispiel an euren Eltern!« Die Erwachsenen in dem Schauspiel »Der Gott des Gemetzels«, das am Samstag, 15. Januar 2012, ab 20.00 Uhr, im Neuen Theater Espelkamp zu sehen ist, geben fürwahr eher ein schlechtes Beispiel für Deeskalation ab. Auch wenn der kriegerische Titel der Komödie eher auf ein Drama schließen lässt und zunächst für Irritationen sorgen mag, so findet er im Laufe des Theaterabends seine Berechtigung.
Bekannt für ihren unverwechselbar doppelbödigen Dialog-Schlagabtausch und fiesen Sticheleiern ist der französischen Autorin Yasmina Reza mit »Der Gott des Gemetzels« ein wahres Glanzstück der bitterbösen Komik gelungen. Bereits an 79 deutschsprachigen Bühnen erlebten die Zuschauer diesen humorvolltragischen Leckerbissen. Der Erfolg auf der Bühne bereitete sogar den Weg für die filmische Umsetzung, die unter der Regie von Roman Polanski in einer Starbesetzung jetzt in den deutschen Kinos angelaufen ist. In einer Produktion des Theater im Rathaus Essen ist die Tournee des EURO-STUDIO Landgraf jetzt auf der Espelkamper Bühne zu sehen. Manchmal genügt ein fehlender Kosakenzipfel wie etwa in dem berühmten Loriot-Sketch, um ein Abendessen zwischen befreundeten Ehepaaren entgleiten zu lassen. Bei Yasmina Reza geht es allerdings noch härter an die Eingeweide. Eigentlich ist das Schlimmste schon geschehen: Ferdinand hat seinem Mitschüler Bruno zwei Zähne ausgeschlagen. Eine Schulklopperei der etwas härteren Gangart.
Die beiden Elternpaare Alain (Matthias Fuhrmeister) und Annette (Anna Stieblich) mit Veronique (Jacqueline Macaulay) und Michael (Adnan Maral) treffen sich bei Kaffee und Kuchen, um in aller Ruhe und in zivilisierter Weise den Streit ihrer beiden Söhne zu schlichten. Doch die friedliche Atmosphäre täuscht, die Fassade der bürgerlichen Konversation bröckelt zusehends, und nachdem der Gott des Gemetzels erst einmal entfesselt ist, entblößen die Vier ihre wahre Natur und offenbaren ihre Kleingeistigkeit und ihre Ängste in kindischem Gebaren. Es ergeben sich überraschende Fronten und Koalitionen, bei denen das eigentliche Ziel des Treffens restlos aus den Augen verloren wird. Am Ende sind alle k.o., ist ein Handy ertränkt, sind zwei Tulpensträuße zerfetzt. Aus dem geplanten Friedensgipfel wird – als Leckerbissen für vier Schauspieler und fürs Publikum – eine handfeste Zimmerschlacht. Ganz so, wie man es von Erwachsenen (nicht) erwartet. Eintrittskarten für die Komödie sind noch erhältlich in der Geschäftsstelle des Volksbildungswerks Espelkamp e.V., im Kulturbüro im Bürgerhaus, Wilhelm-Kern-Platz 14, Tel.: (05772) 562-185 od. 562-161 od. 562-255, sowie in den Vorverkaufsstellen Buchhandlung Lienstädt & Schürmann, Breslauer Straße 34, in Espelkamp, und in der Lübbecker Geschäftsstelle der Neuen Westfälischen, Lange Straße 33, Tel. 05741-40 00-0. Weitere Informationen zum Programm sowie zur Onlinebuchung sind erhältlich auf der Theater-Internetseite www.neues-theater-espelkamp.de. Die Abendkasse ist ab 19.30 Uhr und das Theater ab 19.00 Uhr geöffnet.


