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Good bye »Good old Germany«

Stefan und Heike Albrecht versuchen endgültig ihr Glück in den USA

Lübbecke/York (USA). Es ist schon ein bisschen her, dass wir über den Lübbecker Stefan Albrecht (und seine Frau Heike) und deren Versuch, in den USA Fuß zu fassen, berichtet haben. Doch jetzt gibt es wieder einen aktuellen Anlass: es geht mit Sack und Pack über den großen Teich. Das Motto vorerst: »Good Bye good old Germany!«.

Stefan AlbrechtBeim ersten Versuch lebte und arbeitete Stefan Albrecht in York in South-Carolina. Für ein Jahr hatte er dort Arbeit gefunden, bis seine damalige deutsche Firma pleite ging. Da in den USA das Arbeitslosenrecht entschieden rigider ist als hierzulande, blieb nichts anderes, als zunächst einmal nach Deutschland zurückzukehren und »Wunden zu lecken.« Doch Stefan Albrecht gab nicht auf, behielt von hier aus immer den amerikanischen Arbeitsmarkt im Auge. Via Internet hatte er Adressen in den USA gesammelt und entschloss sich Anfang vergangenen Jahres, wieder in die USA zurückzukehren. Stefan Albrecht: »Ich hatte einfach keine Lust, hier für eine Zeitarbeitsklitsche zu arbeiten.« Und der Erfolg gab ihm Recht. In den USA angekommen, hatte er sich auf eine Dauertelefonaktion bei seiner Jobsuche eingestellt. Doch es kam anders: Schon beim zweiten Anruf wurde er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. »Es ging dann blitzschnell,« berichtet der Auswanderer nicht ohne Stolz. »Montags beworben, am Mittwoch zum Gespräch und am Freitag war ich eingestellt. Das hat genau eine Woche gedauert.

Engagiert worden ist er von einer deutschen Firma, die mehrere Niederlassungen in den USA unterhält, aber zum Beispiel auch in Australien und in verschiedenen Ländern Europas tätig ist. Der gebürtige Lübbecker wurde für ein Projekt im Mittleren Westen eingestellt. Und nun ist er wieder in einem York zuhause. Bis Sommer zumindest, dann kann es ihn an eine andere Stelle in den USA führen. Die Stadt ist ein bisschen größer als Lübbecke. Vom Klima her geht es dort zu »wie bei uns im Mühlenkreis«, berichtet Stefan Albrecht. Der größte Unterschied sei, dass dort im Straßenbild viel Amish unterwegs seien. Einem begegne dort schon mal eine Kutsche im Straßenverkehr. York liegt 25 Kilometer von Harrisburg entfernt. Da wüßten in Deutschland die meisten Menschen sofort Bescheid, denn das dortige Kernkraftwerk »Three MileIsland« machte im Jahre 1979 durch einen Unfall Schlagzeilen in aller Welt. Vor Ort wisse das kaum einer, denn Nachrichten würden in den USA »gewaltig gefiltert.«

Das Haus der AlbrechtsStefan Albrecht hat einen Vertrag mit seiner Firma geschlossen, dass er bereit ist, von Projekt zu Projekt zu gehen. Dabei geht es immer um Maschinenbau, Robotertechnik, IT und SPS (speicherprogrammierbare Steuerung) - eine Mischung, die wie auf Stefan Albrechts Fähigkeiten zugeschnitten ist. Jetzt ist er jedenfalls erst einmal wieder drüben, seine Frau Heike folgt im März. Die Zeit um Weihnachten herum haben die beiden genutzt, um ihre Siebensachen einzupacken und sich von Freunden und Verwandten zu verabschieden. »Vorerst« heißt es in diesem Zusammenhang. Ein bisschen »Zuhause« will vor allem Heike Albrecht mitnehmen. Und das, so Stefan Albrecht, mache man nicht nur für ein Jahr. Dieses Mal ist es also ernst mit der Auswanderung. In den USA wird es ihnen vorerst ausgezeichnet gehen. Stefan Albrechts Firma zahlt ein Auto und die Wohnung, so dass es sich gut leben lassen wird. Dennoch weiß Stefan Albrecht: »Man muss sein Geld zusammenhalten.« Wenn man´s wie die Amerikaner mache, gehe man unter: »Wenn man in den USA aus dem System fällt, hat man ein Riesenproblem«. Bleibt noch anzumerken, dass Stefan Albrechts Skatfreunde in Lübbecke sich keine Sorgen zu machen brauchen. Er wird das Skatspielen nicht verlernen, denn in seiner neuen Umgebung gibt es gleich eine Reihe von Leuten, die wissen, was angesagt ist, wenn es heißt: »18, 20, nur nicht passen.«

Kurioses aus unzähligen Knoten

»Der Fliegende Teppich« bis 22. April im Teppich-Museum Tönsmann

Espelkamp. Bis zum 22. April ist im Teppich-Museum Tönsmann an der General-Bishop-Straße 23 in Espelkamp noch eine sehr ausgefallene Ausstellung zu sehen. Sie trägt den Titel »Der Fliegende Teppich« und besteht zum überwiegenden Teil aus Stücken der Sammlung von Thomas Frick, der seit vielen Jahren Teppiche mit zum Teil kuriosen Themen sammelt, deren Wert sich nicht wie üblich vor allem aus der Knotendichte ableitet.

Tönsmann

Hans Frick sammelte zunächst Bücher über Teppiche (von denen auch einige in der Ausstellung einzusehen sind), als er per Zufall im Internet auf ein Motiv stieß, das eben keinen Buchdeckel, sondern einen Teppich zeigte. Ein Stück aus Isfahan, mit 810.000 Knoten auf den Quadratmeter, es zeigte eine Liebesszene aus dem 16. Jahrhundert. Von da an sei der »infiziert« gewesen, berichtete Thomas Frick, der bei der Ausstellungseröffnung wichtige Stücke seiner Sammlung sehr unterhaltsam vorstellte. Da gibt es zum Beispiel Selbstproträts von Frauen, die seiner Meinung nach »ihre Sehnsüchte in ihre Teppiche geknüpft haben.« Die gezeigten Teppiche sind aus zum Teil aus feinster Seide oder Wolle hergestellt, es gibt aber auch eine Reihe »rustikaler« Stücke, weil es eben zuerst um die Bilder und die außergewöhnlichen Motive geht, nicht so sehr um die handwerkliche Kunst. Zu sehen ist sind zum Beispiel ein Porträt von John F. Kennedy, amerikanische Schauspielerinnen dienten als Vorlage, ebenso findet man eine Madonna, die in Tebris geknüft wurde.

Ein Hundertwasser-Motiv taucht auf, aber auch eine Weltkarte, deren Proportionen vorn und hinten nicht passen. Jugendliche haben aus dem Fernsehen Anregungen bekommen. So sind Straßenkreuzer oder auch Comic-Figuren geknüpft worden. Ein Schachbrett hat Thomas Frick gefunden, das sogar bespielt werden kann. Sehr beeindruckend sind auch die Teppiche, die sich mit dem Afghanistan-Feldzug der früheren UdSSR befassen: Panzer, Raketen und Kalashnikows sind zu sehen. Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung war allerdings ein Rundgang durch das Museum, an dessen Schluss ein besonders wertvolles Stück des Museums aus dem Tresor geholt wurde. Ein Teppich mit der höchsten Knüpfdichte der Welt: 10 Millionen Knoten pro Quadratmeter. Ganze drei Exemplare gibt´s davon weltweit und er ist der Stolz der Familie Tönsmann.

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